«MEDIENFÖRDERUNG» KORRUMPIERT DIE MEDIEN

«MEDIENFÖRDERUNG» KORRUMPIERT DIE MEDIEN

ERFOLGREICHE MEDIEN SOLLTEN WEDER BELEHREN NOCH ERZIEHEN

Von Roger Köppel, erschienen im „Der Zürcher Bote“ 

Wer als Verleger vom Staat Geld will, wird ihn weder kontrollieren noch kritisieren. Das Medienförderungsgesetz würde die unabhängige, kritische Wächterrolle der Presse beschädigen.

Ein neues Mediengesetz soll gegen 130 Millionen Franken an zusätzlichen Subventionen über unsere Branche ausschütten. Etwas ist faul in einem Staatswesen, das mit Subventionen in die Pressefreiheit eingreift. Zum Glück haben bürgerliche Kreise dieses Gesetz bekämpft und bringen es jetzt dank ihrem erfolgreichen Referendum an die Urne. Mindestens die Hälfte der Subventionen sollen an die Verlagshäuser TX Group, CH Media, Ringier und NZZ-Gruppe fliessen. Dabei haben diese vier Grossen selbst in Covid-Zeiten Hunderte von Millionen an operativem Jahresgewinn eingefahren. Die Vertreter der Medien verkünden unentwegt, sie seien staatstragend und unentbehrlich. Das ist natürlich Unsinn. Jedes Medium ist eigentlich überflüssig. Ich sage das sogar als Verleger und Chefredaktor einer Wochenzeitung. Eine Zeitung, ein privates Radio oder Fernsehen lebt ausschliesslich von Kreativität, Inspiration und vom Ideenreichtum der Medienschaffenden, die sich tagtäglich über die eigene Überflüssigkeit hinwegschreiben müssen. Sie sind dazu verdammt, etwas zu veröffentlichen, das bei den Konsumenten ankommt. Ein guter Journalist muss sich jederzeit fragen: Wie überwinde ich meine eigene Überflüssigkeit?

Gutmenschen und Einpeitscher

Wenn eine Zeitung, ein Online-Medium oder ein Sender kein Publikum findet, braucht es ihn nicht. Schon gar nicht dann, wenn die Medien mutlos, humorlos, berechenbar und verklemmt daherkommen. Und auch dann nicht, wenn sie gedankenlos dem Zeitgeist, dem Bundesrat oder ihren Journalistenkollegen hinterherrennen. Schon gar nicht, wenn sie ihr Wächteramt über allfällige Missstände im Staat und bei dessen Personal verschweigen oder wortreich zudecken. Ich meine: Die Medien sollen Unerfreuliches aufdecken, aber dennoch Zuversicht vermitteln. Verbissene Politik, verbohrte Ideologie wird dem Publikum auf die Dauer nicht gefallen. Die Dauerkatastrophe von Klima, Covid und Weltkrieg findet nicht statt. Unsere Welt ist nicht verdammt. Nichts ist faszinierender und tröstlicher als die Wirklichkeit!

Heute sind die Zeitungsspalten und Sendegefässe verpolitisiert und vermoralisiert. Sie wurden gekapert von Gutmenschen und Einpeitschern der Intoleranz, welche die Menschen permanent zum angeblich richtigen Denken erziehen wollen. Dabei gibt es immer eine andere Sicht. Erfolgreiche Medien sollten weder belehren noch erziehen, sondern den Lesern, Hörern und Zuschauern spannende Erlebnisse bieten, sie unterhalten und zum Denken anregen. Am Ende entscheiden die Konsumenten über die Notwendigkeit des Medienangebots. Das gehört zur Marktwirtschaft.

Jeder Unternehmer, jeder Gewerbetreibende steht im gnadenlosen Wettbewerb. Und das ist gut so, denn sonst werden die Verleger und ihre Medienschaffenden satt, träge und faul.

Wider die staatliche Stallfütterung

Die Journalisten sollten ihren Auftrag ernst nehmen, nicht sich selber. Politische Medien müssen Korruption, Lügen und Machtmissbrauch aufdecken und benennen. Seit sie an die Futterkrippen des Staates drängen, haben sie viel mehr Beisshemmungen. Ich wünsche mir Medien, die sich für die Freiheit der Bürger einsetzen, den Unternehmen helfen und darauf achten, dass die Wirtschaft nicht durch die Politik zermalmt wird. Genau das tun sie aber nicht, wenn sie nach der staatlichen Stallfütterung streben. Das wichtigste Kritikobjekt des Polit-Journalismus müsste der Staat sein, weil der Staat als Macht- und Gewaltmonopol ein zwar notwendiges, aber gleichzeitig problematisches Gebilde darstellt, das ständiger Kritik bedarf.

Doch immer mehr Journalisten glauben in fast schon religiöser Hingabe an den Staat. Dieser forcierte Etatismus, diese Bereitschaft, sich vor den mächtigen Politikern und den staatlichen Institutionen in den Staub zu werfen, schadet genau diesem Staat, diesen Politikern und diesen Institutionen. Die Journalisten waren in den siebziger und achtziger Jahren viel staatskritischer und oppositioneller. Das Problem liegt aber auch darin, dass die Verlagsbesitzer ihren Journalisten diese Opposition ausgetrieben haben und sie zurückpfeifen. Weil genau diese Verleger beim Staat um immer mehr Geld betteln. Die Covid-Pandemie hat diese Verfilzung noch zusätzlich vorangetrieben und den Journalismus noch mehr korrumpiert. Gerade wegen dem bevorstehenden Medienförderungsgesetz sind die meisten Mainstream-Medien heute leider nicht mehr die Wachhunde der Freiheit und der Bürger, sondern die Schosshunde der Macht, die Bodyguards der Obrigkeit.


Roger Jürg Köppel ist ist ein Schweizer Journalist, Publizist und Politiker (SVP). Seit 2001 ist er Chefredaktor und Verleger des Wochenmagazins Die Weltwoche. Original Artikel: https://www.rogerköppel.ch/blog/der-zuercher-bote-3/